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Bundesminister Özdemir zeichnet Projekte
gegen Lebensmittelverschwendung aus

Berlin (ots|wro) - Der Bundesminister für Ernährung und Landwirt-schaft, Cem Özdemir, hat in Berlin herausragende Projekte zur Ver-meidung von Lebens-mittelverschwendung ausgezeichnet. Mit dem Zu gut für die Tonne!-Bundespreis würdigt das Bundesmini-sterium kreative Lebensmittelretterinnen und -retter mit innovati-ven Ideen und Pioniergeist. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen und des Klimas. Denn die Lebens-mittel-produktion beansprucht Boden, Wasser, Energie oder Treib-stoff und ist mit Emissionen verbunden. Bis ein Kilogramm Äpfel im Supermarktregal liegt, sind bei-spielsweise 820 Liter Wasser geflos-sen. Um ein Ki-logramm Käse herzustellen, werden mehr als 5.000 Liter benötigt.

Bundesernährungsminister Cem Özdemir: "Wir wollen, dass mehr Lebensmittel dort landen, wo sie hingehören: auf den Teller. Das heißt im Umkehrschluss: Wir müssen es schaffen, dass wertvolle Nahrung nicht in der Tonne, im Trog oder Tank verschwindet. Ange-sichts der multiplen Krisen, die wir gerade erleben, ist diese Aufgabe drängender denn je. Der sorgsame Umgang mit Ressourcen beson-

Bundesminister Cem Özdemir mit den Gewinnern, Nominierten und Jurymitgliedern des
Zu gut für die Tonne! – Bundespreises 2022.
Bild: © BMEL/photothek

ders mit unseren Lebensmitteln - geht uns alle an: Politik, Wirtschaft sowie Verbraucherinnen und Ver-braucher. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger führen uns vor Augen, dass es überall im Alltag Mög-lichkeiten gibt, Lebensmittel zu retten und damit auch das Klima zu schützen. Einige der Projekte und Unter-nehmen gehen sogar noch darüber hinaus und versor-gen Wohnungslose mit warmen Mahlzeiten oder stiften einen Teil ihrer Erlöse. Vielen Dank für Ihren großen Einsatz und Ihr Engagement!"

Insgesamt wurden rund 100 Bewerbungen für den Bundespreis eingereicht. Daraus hat die achtköpfige Jury unter Vorsitz von Bärbel Dieckmann, ehemalige Präsidentin der Welthungerhilfe, 16 Projekte als Fi-nalisten ausgewählt. Der Preis wird verliehen in den Kategorien:

  • Landwirtschaft und Produktion,
  • Handel,
  • Gastronomie,
  • Gesellschaft und Bildung,
  • Digitalisierung.

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St'n Bender (Mitte) steht mit den vier Ausgezeichneten auf einer Bühne, Prof. Dr. Peter Strohschneider, Dr. Georg-Sebastian Sperber, Kathrin Muus und Myriam Rapior (v. l. n. r.), Bender hat Bundesminister Özdemir kurzfristig bei der Preisverleihung vertreten.
Bild: © BMEL/Photothek

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Die Gewinner des Zu gut für die Tonne!-Bundespreises 2022 sind:

Kategorie Landwirtschaft & Produktion

Kultimativ GmbH: Heldenbrot
(Konstanz, Baden-Württemberg)

Das "Heldenbrot"-Team betrachtet Brotreste als Roh-stoff mit großem Zukunftspotential: Das Unterneh-men kauft übriggebliebenes Brot bei Bäckereien an und verarbeitet es zunächst zu Brotgranulat. Dieses kann dann in einer Vielzahl von Produkten zum Ein-satz kommen und einen großen Teil herkömmlicher Zutaten wie zum Beispiel Mehl ersetzen.

Kategorie Handel

Marktschwärmer Deutschland (Equanum GmbH): Onlineshop trifft regionalen Bauernmarkt (Berlin)

Die Initiative Marktschwärmer Deutschland betreut von Berlin aus die Onlineplattform   www.markt-schwaermer.de, auf der bundesweit regionale Erzeu-ger saisonale Lebensmittel anbieten. Kunden können 

den vorbestellten Einkauf wöchentlich in sogenann-ten Schwärmereien in ihrer Nachbarschaft abholen.

Kategorie Gastronomie
Community Kitchen Food GmbH:
Community Kitchen München (München, Bayern)

Montags bis freitags sowie sonntags bietet die Com-munity Kitchen im Münchener Stadtteil Neuperlach frische Mahlzeiten aus geretteten Lebensmitteln an. Ihr Ziel ist, Lebensmittelverschwendung zu verrin-gern und so zum Klimaschutz beizutragen, ein Be-wusstsein für die Thematik in der Öffentlichkeit zu schaffen, Bedürftigen Mahlzeiten zu ermöglichen
und Menschen zusammenzubringen.

Kategorie Gesellschaft & Bildung

WERTvoll macht Schule gUG: Lebensmittel WERTschätzen in der Schule (Fürth, Bayern)

Auf der Plattform   www.unterrichtsmaterial.digi-tal der Fürther Bildungsinitiative WERTvoll macht Schule stellen erfahrene Lehrkräfte lehrplankonfor-me Unterrichtsmaterialien kostenlos zur Verfügung. Eine aktuelle Unterrichtseinheit vermittelt sechs- bis zwölfjährigen Schülerinnen und Schülern grundlegen-des Wissen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in punkto Lebensmittelwertschätzung.

Kategorie Digitalisierung

Friedhold GmbH:
Friedhold (Visselhövede, Niedersachsen)

Das Start-up Friedhold ermöglicht es landwirtschaft-lichen Betrieben aus dem deutschsprachigen Raum, unkompliziert einen digitalen Hofladen zu errichten. Der so organisierte Vorverkauf bewahrt wertvolle Lebensmittel vor der Tonne, da Produkte wie Fleisch oder Gemüse verkauft werden noch bevor die Tiere geschlachtet werden und das Gemüse geerntet wird.

Mit dem Förderpreis ausgezeichnet wurden:
Aktion Brücke e. V.: Obdachlosenhilfe
(Germering, Bayern)

Die Mitglieder des Germeringer Vereins Aktion Brüc-ke e. V. kommen regelmäßig zusammen, um aus geret-teten und gespendeten Lebensmitteln warme Mahl-zeiten zu kochen. Diese verteilen die Ehrenamtlichen an bedürftige und wohnungslose Menschen im Land-kreis Fürstenfeldbruck.

Rettermarkt Rettich (Saarbrücken, Saarland)

Der Rettermarkt Rettich bietet Lebensmittel, die sonst in der Tonne gelandet wären, zu kleinen Preisen an. Allein im ersten Jahr konnte der Rettermarkt etwa 100.000 Lebensmittel retten. Seit Ende 2021 gibt es neben Saarbrücken einen zweiten Laden in Saarlouis.

Rheinische Lebensmittelretter e. V.: Fair-Teiler Steinenbrück (Steinenbrück, Nordrhein-Westfalen)

Mit dem "Fair-Teiler Steinenbrück" in Overath er-gänzt der Verein Rheinische Lebensmittelretter e. V. das Angebot der Tafeln im Bergischen Land: Die Eh-renamtlichen retten, was die Tafeln nicht mitnehmen

können und bewahren so wöchentlich rund 40.000 Liter Lebensmittel vor der Tonne.

Die Förderpreisträger erhalten zur Unterstützung und Weiterentwicklung ihrer Projekte je 5.000 Euro.

Weitere Informationen zu den Gewinnerprojekten finden Sie hier.

Jurymitglieder:

  • Bärbel Dieckmann, Juryvorsitzende, ehemalige Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe e. V.
  • Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbands
  • Cherno Jobatey, Journalist und Fernsehmoderator
  • Friederike Klasen, Expertin für Kommunikation & crowdbasierte Finanzierung
  • Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie
  • Christian Rach, Fernsehkoch und Kochbuchautor
  • Valentin Thurn, Dokumentarfilmer und Autor
  • Yvonne Willicks, Fernsehmoderatorin und Autorin

Neue App "Zu gut für die Tonne!"

Lecker kochen und nebenbei Lebensmittel retten? Das geht ganz einfach mit der neu aufgelegten Re-zepte-App von "Zu gut für die Tonne!". Die App schlägt Nutzerinnen und Nutzern gezielt zu ihren Reste-Zutaten passende Rezepte vor. So hilft die App mit vielen leckeren und praktischen Reste-Rezepten und Haltbarkeitstipps beim Verwerten von Resten - ohne großen Aufwand und Einkauf. Die App ist kos-tenfrei im Google Play Store, im Apple Store oder direkt im Browser verfügbar.

Hintergrund

Jährlich fallen in Deutschland entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette circa elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, sechseinhalb Millio-nen Tonnen davon allein in Privathaushalten. Dazu zählt auch Unvermeidbares wie Obst- und Nussscha-len, Kaffeesatz oder Knochen.

Mit der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung rückt das Bundesmi-nisterium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) neben den Privaten Haushalten auch die Sektoren Primärproduktion, Verarbeitung, Groß- und Einzel-handel sowie Außer-Haus-Verpflegung stärker in den Fokus. Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelabfälle in Deutschland entlang der gesamten Lebensmittel-versorgungskette zu halbieren und Lebensmittel-verluste zu reduzieren. Dazu ist das BMEL mit den Wirtschaftsbeteiligten - von der Primärproduktion bis zum Handel - im Gespräch und strebt ambitio-nierte und verpflichtende Zielvereinbarungen an. Eine entsprechende Zielvereinbarung für die Außer-Haus-Verpflegung wurde bereits abgeschlossen. Weitere Maßnahmen, auch gesetzliche, werden derzeit geprüft.